Ausgangssituation

Ausgangssituation

Die Zunahme von Kooperationen in Produktion und Logistik sowie der überbetrieblichen Arbeitsteilung führt zu einer verstärkten Fragmentierung der Lieferketten. Infolge turbulenter, globaler Märkte gewinnt die Wandlungsfähigkeit an den Schnittstellen zwischen den Lieferkettenpartnern stark an Bedeutung. Sie bietet Potenzial bzw. Schnittstellen zur Veränderung.

Aus heutiger Sicht stehen ideal wandlungsfähigen Lieferkettenschnittstellen technologische und organisatorische Wandlungshemmnisse entgegen: Einerseits verhindern nicht-wandlungsgerecht automatisierte Transport- und Lagersysteme (z. B. Hochregallager) und nicht-wandlungsgerecht ausgelegte IT-Systeme (z. B. zur Lagerverwaltung) die schnelle und aufwandsarme Umgestaltung des Material- und Informationsflusses. Andererseits sind aufgrund fehlender Planungs- und Bewertungsmethoden keine objektiven Entscheidungsprozesse (z. B. zur Beurteilung des richtigen Wandlungszeitpunkts) möglich.

Ein technologisches Wandlungshemmnis resultiert aus dem hohen Automatisierungsgrad von Transport- und Lagersystemen. So wurden in den vergangen Jahren beispielsweise Lagersysteme aus Effizienzgründen immer stärker automatisiert. Allerdings sind über den Lebenszyklus notwendige Änderungen entsprechender Systeme enorm kosten- und zeitaufwändig. Somit nimmt zwar die Effizienz eines Transport- und Lagersystems mit steigendem Automatisierungsgrad zu, die Wandlungsfähigkeit sinkt jedoch. Vor diesem Hintergrund wird der Bedarf nach Automatisierungslösungen deutlich, die effizient und wandlungsfähig sind.

Die Integration informationstechnischer Systeme in die Lieferkette ist in der Vergangenheit stark fortgeschritten. Dies führt dazu, dass Änderungen an Transport- und Lagersystemen in dem entsprechend vorhandenen IT-System manuell und damit ressourcenintensiv gepflegt werden müssen. Werden die Änderungen stark zeitversetzt oder gar nicht in den entsprechenden IT-Systemen übernommen, können Inkonsistenzen zwischen realer und digitaler Welt entstehen. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass Artikel im Unternehmen „verloren gehen“, da dem IT-System der Lagerort  nicht bekannt ist. Das Beispiel verdeutlicht den Bedarf an wandlungsgerecht gestalteten IT-Systemen.

Mit Hilfe von wandlungsgerechten Logistiksystemen können die Schnittstellen in Lieferketten wandlungsfähig gestaltet werden. Welches Maß an Wandlungsfähigkeit wirtschaftlich sinnvoll ist, muss jedoch situations- und unternehmensabhängig entschieden werden. Neben wirtschaftlichen Aspekten wie Wandlungshäufigkeit und -kosten sind auch organisatorische Fragen - z. B. nach geeigneten Wandlungsindikatoren oder dem richtigen Wandlungszeitpunkt - zu beantworten. Bislang gibt es keine Modelle und Methoden, mit denen die genannten Randbedingungen beurteilt und die Wandlungsfähigkeit in Lieferketten bewerten werden können.